Ein Besuch auf der Fotobörse

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Gestern habe ich die regelmäßig stattfindende Fotobörse in Essen in der Zeche Carl besucht. Erstaunt musste ich feststellen, dass der Eintritt von 5,00 € auf 10,00 € gestiegen war. Beim Gespräch mit dem Veranstalter an der Kasse wurde dementsprechend deutlich, dass die Besucher, die während meiner Anwesenheit dort zahlten, aufgrund des neuen Eintrittspreises irritiert waren. Eine Preiserhöhung um 100 %, auch wenn sie das erste Mal nach 18 Jahren erfolgt, irritiert eben. Abgesehen vom Eintrittsgeld war es doch interessant zu sehen, wie sich die Börse im Laufe der Jahre gewandelt hat.

Grundsätzlich kann man die Angebote in drei Gruppen einteilen. Es gibt Sammlerstücke, analoges und digitales Equipment. Nach Auskunft des Veranstalters unterscheiden sich seine Börsen, die er bundesweit durchführt, nach unterschiedlichen Standorten. Das grö0te Angebot für Sammler gibt es in Berlin, die meisten Profigebrauchsgeräte findet man in Hamburg und das umfangreichste Angebot von Geräten der unteren bis zur gehobenen mittleren Klasse gibt es im Ruhrgebiet. Da das Ruhrgebiet eben genau dieser riesige Ballungsraum ist, der auch eine weit verbreitete Fotokultur in der gesamten Bevölkerungsstruktur hat, gibt es auch vom gleichen Veranstalter eine Fotobörse in Dortmund. Beide Messen finden mindestens zweimal jährlich statt. Darüber hinaus gibt es die Fotobörse in Gladbeck, die allerdings in diesem Jahr noch nicht stattgefunden hat, und im weiteren Einzugsbereich die Fotobörse in Ratingen, die am heutigen Sonntag stattfindet.

Sammlerstücke

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Jede Fotobörse ist auch ein Ort der vergangenen Tage. So können Sie fotografische Geräte aus den unterschiedlichen Epochen der Fotografie finden. Die oben abgebildete Polaroidkamera z.B. hat ein exzentrisch angebrachtes Objektiv, dass mit dem Hebel in vier Positionen auf dem eingelegten Film gebracht werden kann, um auf einem Stück Film vier unterschiedliche Aufnahmen abbilden zu können. Dies wurde von Passbildfotografen in der Vergangenheit gerne praktiziert, um Kosten zu sparen und gleichzeitig schnelle Ergebnisse liefern zu können. Wenn Sie etwas suchen, das ein beschädigtes Gerät wieder in Betrieb setzt, so müssen Sie Zeit einkalkulieren. Die sogenannten Kleinteile, an denen meist nur der entsprechende sprichwörtliche Nippel abgebrochen ist, finden Sie zumeist unsortiert in großen Plastikwannen, die oft auch noch unter den Tischen der Aussteller zu finden sind. Stellplatz kostet halt Geld.

Analoge Gebrauchsgeräte

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Die Armeen von Kameras der anlogen Technik sind auf den Fotobörsen immer noch vertreten. Und das Spektrum reicht von der einfachen Praktika über die damaligen Flaggschiffe von Canon, Nikon und Leica bis hin zu Mittelformat- und Großformattechnik. Interessant ist hier im Hinblick auf die digitale Technik das überaus weitreichende Angebot an Objektiven dieser Ära. Wer sich mal im analogen Bereich ausprobieren will, findet auf der Fotobörse auch für leicht zu verschmerzende Preise gutes Einsteigerequipment.

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Das obige Foto stammt von einem Stand, dessen Anbieter sich vor allem mit Mittel- und Großformat beschäftigt und auch über eine sehr gute Fachkompetenz in diesem Feld verfügt. Neben der hier gezeigten Wiesner Holz-Laufbodenkamera gab es Kameras von Linhof (rechts im Bild angeschnitten), Toyo, Sinar, Hasselblad und auch eine gute Auswahl an Belichtungsmessern. Der einzige Bereich der Fotografie, der auf den Fotobörsen in der Regel nur noch sehr selten vertreten ist, ist die Dunkelkammerausstattung. Die Gattung der Laborhasen scheint immer mehr auszusterben.

Digitale Gebrauchsgeräte

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in diesem Bereich stehen die Geräte schon dichter beieinander und damit haben sie die Fotobörsen überlebensfähig gemacht. Wenn Sie in der Geschichte der Fotobörsen zurückblättern, dann war eine gewisse Untergangsstimmung in der Zeit zu verzeichnen, in der der Wechsel von der analogen zur digitalen Technik vollzogen wurde. Die Glaubensfragen um die beiden Bereiche der Fotografie hätten die Fotobörsen, die zu Beginn der Digitaltechnik noch nicht genug Material bieten konnten, fast zum Erliegen gebracht. Doch nach und nach konnten die Händler auch gebrauchtes digitales Equipment anbieten und haben sich selbst und den Fotobörsen zum Überleben verholfen. Das Angebot erreicht heute fast den Umfang der analogen Technik zu ihrer spektakulärsten Zeit. Und es geht weiter.

Manch eine Kamera hat es dennoch nicht überlebt. Auf dem folgenden Foto sehen Sie die Wirkung von 8 Tonnen Druck, die auf Kameragehäusen ihre Wirkung hinterlassen haben. Das sind Kameras, die nicht mehr abgedrückt werden können (der Ausdruck hat mir noch nie gefallen).

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Hier noch ein paar Links zu Kamerabörsen:

Kamerabörsen → www.kameraboersen.org
Ratinger Photobörse → http://www.ratinger-photoboerse.de
Fotobörse Gladbeck → www.fotobörse-gladbeck.de

 

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