Kontrastverhältnisse in der Porträtfotografie

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Kontrastverhältnisse in der Porträtfotografie sind eine gute Hilfe zur Orientierung in der Beleuchtung. Leider werden sie auf unterschiedliche Weise beschrieben und daher gibt es wie so oft in der Fotografie Irritationen. Um Licht ins Dunkel zu bringen stelle ich Ihnen diese Orientierungshilfe der Beleuchtungstechnik hier vor.

Das Verhältnis von Licht zu Schatten

Wenn Sie ein Gesicht so beleuchten, dass das Licht seitlich der Kamera steht, wird eine Gesichtshälfte vollständig ausgeleuchtet und die gegenüberliegende Gesichtshälfte wird teilweise oder vollständig in Schatten gehüllt. Dies ist von der jeweiligen Position der Lichtquelle abhängig. Die entstehenden Schatten können Sie mit einer zweiten Lichtquelle aufhellen und somit das ursprüngliche Kontrastverhältnis mindern.

Die hier gezeigten Fotos wurden in einem riesigen Saal mit 6 Metern Raumhöhe aufgenommen. Trotzdem ließ sich der Einfluss vagabundierenden Lichtes durch Reflexionen nicht völlig ausschalten. Eine wirklich präzise Wiedergabe kann nur in einem schwarzen Studio mit lichtschluckenden Materialien wie Samt erreicht werden. Aber die prinzipielle Umsetzung funktioniert weitestgehend auch in jedem normalen Raum.

Die zwei Varianten

Wenn sich zwei Fotografen über Kontrastverhältnisse unterhalten, können sie schon mal aneinander vorbeireden. Denn ein Kontrastverhältnis von  z.B. 3:1 ist in der Auffassung der beiden unter Umständen unterschiedlich definiert. So gibt es Fotografen, die mit dem Kontrastverhältnis den Motivkontrast meinen, andere geben mit ihrem Kontrastverhältnis den Beleuchtungskontrast an. Warum ist dies unterschiedlich?

Das Kontrastverhältnis wird immer in der Form X:1 angegeben und stellt immer das Verhältnis zwischen Haupt- und Aufhelllicht dar. Die 1 steht dabei immer für das Aufhelllicht und der Wert unter X für das Hauptlicht. Beim Motivkontrast ergeben sich die im Anschluss angegebenen Werte nur bei einer frontalen Aufhellung. Der Motivkontrast wird folgendermaßen ermittelt. Das Aufhelllicht erhellt beide Gesichtshälften gleichermaßen, d.h. jede Gesichtshälfte erhält jeweils eine Einheit Licht. Beim seitlich positionierten Hauptlicht, dass z.B. eine Blende heller als das Aufhelllicht ist, erreicht doppelt soviel Licht (eine Blende) die Lichtseite des Gesichts also zwei Einheiten. Die Schatten erhalten vom Hauptlicht kein Licht. Damit erhält die Lichtseite drei Einheiten Licht (zweimal Hauptlicht und einmal Aufhelllicht) und die Schattenseite eine Einheit Licht (nur Aufhelllicht). Damit ergibt sich ein Motivkontrast von 3:1. Der Beleuchtungskontrast beträgt aber nur 2:1, da Haupt- und Aufhelllicht eine Blende differieren und damit das Hauptlicht doppelt so stark ist wie das Aufhelllicht – also 2:1.

Die gebräuchlichsten Kontrastverhältnisse sehen Sie in der folgenden Tabelle:

Da der Motivkontrast nur bei frontaler Aufhellung in der oben beschriebenen Form zu berechnen ist, empfehle ich die Orientierung am Beleuchtungskontrast. Es wird ja auch in der Verlängerung der Hauptlichtquelle aufgehellt (Aufhelllicht auf der gleichen Kameraseite wie das Hauptlicht) oder es entsteht beim überschreiten der optischen Achse eine sogenannte Zangenaufhellung (Aufhelllicht auf der gegenüberliegenden Kameraseite zum Hauptlicht).

Kontrastverhältnisse in der Praxis

Der Aufbau bei diesen Beispielfotos bestand aus der frontal ausgerichteten Kamera, dem Hauptlicht in einem Winkel von ca. 65 – 70 Grad und einem Aufhelllicht über der Kamera. Gemessen wurde einzeln jeweils in Richtung der Lichtquellen. Das Hauptlicht wurde auf Blende 16 eingemessen und damit wurden auch alle Aufnahmen belichtet. Das folgende Foto zeigt die Maske ohne Aufhellung:

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Die Schatten sind tiefschwarz, die rechte Gesichtshälfte ist aber komplett durchgezeichnet. Die Kontrastverhältnisse sind hier >5:1 (Beleuchtungskontrast) bzw. >17:1 Motivkontrast. Anwendung finden diese starken Kontraste in übersteigert dramatischen Porträts.

Beim nächsten Foto findet eine Aufhellung mit der Differenz einer Blende der Studioblitze statt. Daraus ergibt sich ein Beleuchtungskontrast von 2:1 und ein Motivkontrast von 3:1. Beleuchtungskontraste von 2:1 bis 1:1 liefern luftige Aufnahmen und sind die Einstellungen der Wahl bei High Key-Aufnahmen.

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In der Liste der größer werdenden Beleuchtungsunterschiede folgt nun ein Foto mit einem Beleuchtungskontrast von 3:1 und einem Motivkontrast von 5:1. Beleuchtungskontraste von 3:1 bis 2:1 sind vor allem bei normalen Bildwiedergaben und dort vor allem im Middle Key Bereich sehr gebräuchlich.

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Das nächste Foto hat einen Beleuchtungskontrast von 4:1 und einen Motivkontrast von 9:1. Hier fängt es an, dramatisch zu werden und diese Kontraste sind häufig in der Low-Key Fotografie zu finden.

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Abschließend noch ein Foto mit einem Beleuchtungskontrast von 5:1 und einem Motivkontrast von 17:1. Auch hier liegt die Anwendung im Low Key Bereich mit dramatischer Ausrichtung. Es ist eine deutliche Annährung zu einer Aufnahme ohne Aufhellung gegeben, wie sie in der obersten Aufnahme zu sehen ist. Ein Unterschied ist aber dennoch erkennbar. Eine weitere Absenkung des Aufhelllichts würde aber mehr oder weniger kaum mehr Unterschied zum Foto ohne Aufhellung machen.

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Wie zu Anfang gesagt, sind diese Kontrastverhältnisse eine Orientierungshilfe in der Lichtgestaltung. Unterschiedliche Raumverhältnisse machen eine Anpassung der Leistungsabgabe der einzelnen Beleuchtungskörper notwendig. Dies resultiert aus unterschiedlichen Reflexionsverhältnissen, die durch die Raumgröße und die Helligkeit der vorhandenen Wände beeinflusst werden. Bedenken Sie auch, dass Studioblitzgeräte in 1/10 Blendenstufen regelbar sind. Dadurch können Sie natürlich auch Beleuchtungskontraste von z.B. 2,7:1 erzielen. Bei den Beleuchtungskontrasten gibt es kein „richtig“ oder „falsch“. Sie sind der Fotograf und Sie entscheiden. Selbst eine Serie wie die hier gezeigte anzufertigen wird Ihnen Erfahrungswerte im Umgang mit Ihrer Beleuchtungseinrichtung liefern, die Ihnen ein Gefühl für die Kontraste geben, die Ihnen passend erscheinen. Viel Spaß beim Beleuchten.

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