Schärfentiefe gestern und heute

St-01

Wenn Sie den Schärfebereich in einer Aufnahme gezielt festlegen wollen, ist eine Schärfentiefeskala fast unerlässlich.Als ich mein erstes Objektiv einer Digitalkamera in der Hand hielt, vermisste ich diese Schärfentiefeskala sofort. Im analogen Bereich hatte ich immer mit Objektiven gearbeitet, die manuell fokussiert werden mussten. Alle diese Objektive hatten, bis auf die Großformatobjektive, eine Schärfentiefeskala. Damit konnte man schnell und unkompliziert ablesen, in welchem Entfernungsbereich eine ausreichende Schärfe vorhanden war. Unter Zuhilfenahme einer App fürs Smartphone lässt sich dieses Manko, wenn auch nicht so schnell wie vorher, ausgleichen.

Die Schärfentiefeskala

Um den jüngeren Fotografen unter Ihnen zu zeigen, was man Ihnen heute vorenthält, möchte ich Ihnen die Funktion der Schärfentiefeskala vorstellen, bevor ich zur App komme.

St-skala

In obiger Abbildung sehen Sie eine typische Objektivbeschriftung mit Schärfentiefeskala. Unter „1“ sehen Sie den Blendenring, mit dem die gewünschte Aufnahmeblende durch Verdrehen auf die grüne, rautenförmige Markierung eingestellt wird. Unter „2“ sehen Sie die Schärfentiefeskala und unter „3“ ist die Entfernungsskala abgebildet. In der Abbildung ist der Blendenwert „8“ eingestellt und Sie können auf der Schärfentiefeskala, die links und rechts der grünen Markierung ebenfalls Blendenwerte aufweist, den Schärfebereich entsprechend dieser Blendenwerte auf der Entfernungsskala ablesen. Für obige Skala geht der Schärfebereich also von „8“ bis „8“ auf der Schärfetiefenskala und von ungefähr „1,5 m“ bis „Unendlich“ auf der Entfernungsskala, da diese beiden Entfernungswerte den Blendenwerten gegenüberstehen.

Bei jeder Brennweite und Sensorgröße werden bei gleicher Entfernungseinstellung andere Schärfentiefen erzielt. Außerdem nimmt die Schärfentiefe umso mehr ab, je näher Sie fokussieren. Es wäre daher sehr umständlich, sich für alle Objektive Tabellen anzulegen. Die Hersteller haben die Skala wegen der unterschiedlichen Sensorgrößen, an denen gleiche Objektive adaptiert werden können, verbannt, da sie sonst gleiche Objektive für unterschiedliche Sensorgrößen anbieten müssten. Das war wohl wieder mal zu teuer.

HyperFocal Pro

Die App HyperFocal Pro hat sozusagen alle Schärfentiefeskalen gespeichert. Sie geben zuerst Ihre Sensorgröße oder alternativ eins von vielen abgespeicherten Kameramodellen ein. Dann ergänzen Sie die Brennweite Ihres Objektivs. Beides ist über eine Auswahltabelle möglich. Die gewünschte Blende stellen Sie auf einer verschiebbaren Blendenskala ein, die halb- oder drittelstufig konfiguriert werden kann. Jetzt fehlt nur noch die eingestellte Entfernung und schon wird Ihnen in einer kleinen Grafik die Schärfentiefe mit den Entfernungsangaben dargestellt. Zusätzlich wird die hyperfokale Entfernung angezeigt. Das ist die Entfernungseinstellung, die bei vorgewählter Blende eine Schärfe von „Unendlich“ bis so weit wie möglich in den Vordergrund erzielt. Für das Beispiel am obigen Objektiv wäre das „3 m“, da bei Blende „8“ „Unendlich“ gerade noch scharf abgebildet und die Schärfe im Vordergrund dann bis auf „1,5 m“ reichen würde.

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