Zonensystem und Digitalfotografie

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Das Zonensystem, eine von Ansel Adams formulierte Belichtungs- und Entwicklungsmethode zur Kontraststeuerung in der Schwarzweißfotografie, kann auch in der Digitalfotografie gute Dienste leisten. Bei Adams lag der Dreh- und Angelpunkt in der Belichtung und Entwicklung des Films, der, individuell entwickelt, so angepasst wurde, dass aus unterschiedlichen Kontrastumfängen im Motiv ähnliche oder andere gewünschte Kontrastumfänge im Negativ entstanden. Der Sensor einer Digitalkamera kann aber nur einen bestimmten vorgegebenen Kontrastumfang aufzeichnen, der auch als Dynamikumfang bezeichnet wird. Obwohl ich bei einem gegebenen Kontrastumfang in einem Motiv keine Möglichkeit habe den Aufzeichnungskontrast im Sensor zu steuern, kann das Zonensystem doch eine gute Hilfe bei zwei weiteren wichtigen Aspekten der Fotografie sein – Vorvisualisierung und motivbezogene Belichtung.

Wenden wir uns dem praktischen Teil und seinem Nutzen zu. Die Werkzeuge, die benötigt werden, sind eine manuell bedienbare Kamera, ein Kamerastativ, ein Lichtstativ, eine Graukarte, die 18 % des auftreffenden Lichts reflektiert (keine hellere Weißabgleichkarte), einen Spotbelichtungsmesser und einen Raw-Konverter mit der Möglichkeit der RGB-Wert Anzeige (ACR oder C1). Wenn sie den Test in der Wohnung durchführen möchten, benötigen Sie noch zwei Tageslichtleuchten. Von Blitzgeräten rate ich an dieser Stelle ab, da man unter Umständen mit Ausgabeleistungsschwankungen rechnen muss.

Befestigen Sie die Graukarte an einem Lichtstativ und stellen Sie die Kamera auf dem Stativ parallel davor. Dieses Arrangement kann entweder draußen im überdachten Schatten oder im Innenraum mit zwei Tageslichtleuchten, die im Winkel von ca. 35° die Graukarte ausleuchten aufgebaut werden. Messen Sie mit dem Belichtungsmesser die gleichmäßig ausgeleuchtete Graukarte an. Achten sie darauf, dass Sie auf gerade, ganze Blendenwerte kommen. Gegebenenfalls stellen Sie die Graukarte weiter unter die Überdachung oder ändern den Abstand der beiden Tageslichtquellen. Führen Sie dann einen manuellen Weißabgleich durch indem Sie die Graukarte als Referenzobjekt benutzen.

Der Mess- und Belichtungsvorgang

Zuerst müssen Sie Ihren Belichtungsmesser eichen. Dazu übertragen Sie das Ergebnis Ihrer Messung auf die Kamera. wählen Sie dazu eine mittlere Zeit/Blendenkombination, z.B. 1/30 f8.0, bei der Sie noch genug Spielraum für Über- und Unterbelichtungen haben. Machen Sie eine Aufnahme. Jetzt müssen Sie Über- und Unterbelichtungen anfertigen. Hierzu verstellen Sie immer nur die Belichtungszeit.  Auch wenn ich hier von Blendenstufen rede, so ist die korrespondierende Zeit gemeint. Es ist besser, die Zeitenskala zu verwenden, da dies häufiger präziser ist und vor allem bei unterschiedlichen Objektiven immer gleich wirkt. Sollte also bei einem Ihrer Objektive eine sehr starke Abweichung in einem genauen Blendenwert vorherrschen, würde Sie das im Ergebnis merken. Sie belichten nun also eine Reihe jeweils eine 1/3 Blende knapper, d.h. mit 1/40. Dann mit 1/50 und abschließend mit 1/60. Jetzt folgt die Überbelichtungsreihe mit 1/25, 1/20 und 1/15. Somit haben Sie jetzt sieben Aufnahmen, die Sie in Ihren Raw-Konverter laden. Die Aufnahme, bei der die gemessenen RGB-Werte am nächsten an 128/128/128 liegen, ist Ihre mittlere Referenzaufnahme (Zone V) und die dabei verwendete Belichtungszeit stellt den Kalibrierwert für ihren Belichtungsmesser dar. Korrigieren Sie am Belichtungsmesser entweder über einen einstellbaren Korrekturfaktor oder über die ISO-Einstellung die Fehlmessung Ihres Belichtungsmessers. Wäre z.B. die um 1/3 knapper belichtete Aufnahme die Richtige, also diejenige, die im Raw-Konverter ein 128er Ergebnis liefert, dann müssten Sie z.B. die Iso-Einstellung von 100 auf 125 erhöhen. Wäre 2/3 Überbelichtung die richtige Aufnahme, würde der ISO-Wert von 100 auf 64 korrigiert. Machen sie eine Probeaufnahme, um Ihren Korrekturwert zu überprüfen.

Jetzt kann der Kontrastumfang der Kamera bestimmt werden. Sie messen die Graukarte mit dem von Ihnen kalibrierten Belichtungsmesser und versuchen wieder auf eine gerade, ganze Blendenstufe zu kommen. Machen sie eine Aufnahme. Anschließend belichten Sie eine Reihe in 1/3 Stufen über einen Gesamtumfang von 6 Blendenstufen unter und anschließend in 1/3 Stufen 6 Blenden über. Insgesamt haben sie jetzt 37 Aufnahmen erstellt. Die laden Sie in Ihren Raw-Konverter. Messen Sie die RGB-Werte dieser Aufnahmen. Die Aufnahme, die über RGB 10/10/10 landet, ist Ihre Zone I. Diejenige, die zwischen 243 und 249 landet, ist Ihre Zone IX. Die ist für Ihre zukünftigen Belichtungen die Wichtigste. Die Blendenstufen von Zone I bis Zone IX stellen den Dynamikumfang Ihrer Kamera dar. Bei meiner Kamera lag die Zone I bei RGB 14/14/14 und die Zone IX bei RGB 248/248/248. Die Belichtungszeiten lagen zwischen 1/3 und 1/800, das sind acht Blenden Dynamikumfang.

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Die Zonen I, V und IX

Auswertung der Aufnahmen

Ausgehend von der mittleren Belichtung in Zone V mit 1/30 ergibt sich eine Differenz zu Zone IX mit 1/800 in Höhe von 4 2/3 Blenden. D.h., ich kann einer Zone ca. einer Blendenstufe zuordnen. Im Lichterbereich liegt die Differenz zwischen 1/30 und 1/3 also 3 1/3 Blendenstufen. Das bedeutet, das jede Zone mit 2/3 Blendenstufen repräsentiert wird. Da die Zonen fließend sind, ergeben sich RGB-Differenzwerte von ca. 28 – 30 von Zone zu. Das Prinzip ist also: Ausgehend von Zone V wird die Differenz zu Zone I bzw. Zone IX gemessen und jeweils für die dazwischen liegenden Zonen in gleiche Abstände geteilt, so dass theoretisch jede Zone den gleichen Abstand zur Folgenden hat. Da die Sensoren nicht hundertprozentig linear arbeiten, werden Sie bei Überprüfung der Aufnahmen und diese errechneten Messwerte vielleicht unterschiedliche Belichtungsabstände vorfinden. Diese Werte schreiben Sie in eine Korrekturtabelle. Die Tabelle aus meinem Test sieht folgendermaßen aus:

Zonenkorrektur

Der Nutzen bei der Aufnahme

Für die Ausgabequalität ist es besser, wenn soweit wie möglich in den Lichterbereich belichtet wird, ohne dass die Lichter ausfressen. Da Sie nun wissen, wann Ihre Kamera klippt (über Zone IX), können sie die hellsten Stellen im Motiv anmessen, diesen als Zone IX definieren und die Belichtung auf den Belichtungswert in Zone V anpassen. Belichtet wird immer in Zone V. Obige Tabelle zeigt Ihnen meine Korrekturwerte, die aber bei Ihrer Kamera anders sein können. Wenn Sie zusätzlich Stellen im dunklen Bereich anmessen, können sie den Kontrastumfang im Motiv überprüfen. Sollte eine größerer Umfang entstehen als der Dynamikumfang Ihrer Kamera, können sie eine Blendenstufe höheren Kontrastumfang durch Aufhellen im Raw-Konverter kompensieren. Bei noch größerem Kontrastumfang empfehle ich die HDR-Technik.

Bei geringerem Kontrastumfang können Sie auch angemessene dunkle Stellen im Motiv beispielsweise in Zone II oder III platzieren und dann entsprechend der Tabelle per Korrektur in Zone V belichten. Sie sollten aber stets darauf achten, dass Sie Ihre Lichter nicht überbelichten.

 

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