Das perfekte Foto

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In der Fotografie gibt es Regeln und überall finden Sie Hinweise darauf, dass Sie diese Regeln auch brechen können und sollten. Egal wie Sie es angehen, das Ziel ist immer das perfekte Foto. Die Entstehung eines solchen Hinguckers möchte ich Ihnen zum Jahresabschluss erzählen.

Von den Anfängen

Als Gerald 15 Jahre alt war, begann er, sich für Fotografie zu interessieren. Er sparte sich das Geld für eine Kamera zusammen und begann mit den ersten Aufnahmen. Sehr schnell bemerkte er, dass seine Fotos nicht so aussahen, wie er sie sich vorgestellt hatte. Sein Onkel, der auch fotografierte aber leider in einem ganz anderen Teil unseres Landes lebte, konnte ihm nur ab und zu bei den wenigen Besuchen ein paar Tipps geben. So empfahl er seinem Neffen, dass er sich in einem VHS-Kurs anmelden solle, um die Grundfertigkeiten zu erlernen.

Gerald schritt sofort zur Tat, meldete sich für einen Kurs im nächsten Semester an und war schon ziemlich neugierig auf das, was da wohl geschehen würde. So fieberte er seiner ersten Kursstunde entgegen. Der Kursleiter, ein ausgebildeter Fotograf, versorgte die Kursteilnehmer mit einer Menge an technischem Wissen und verband dies mit Aufgabenstellungen, bei denen die Bildgestaltung auch einen wichtigen Teil einnahm. Neben der Tatsache, dass eine korrekte Belichtung von hoher Bedeutung sei, nahm Gerald noch folgende Maxime des Kursleiters an: „Fotografieren heißt weglassen!“

Die zweite Entwicklungsphase

Nachdem der Kurs beendet war, versuchte Gerald das Erlernte zu vertiefen und zu erweitern. Sein Lieblingsmotiv war eine alte Flussbrücke in seiner Heimatstadt. Er erstellte wohl Hunderte von Fotos von dieser Brücke. Er begann mit Übersichtsaufnahmen in denen der Fluss auch eine bedeutende Rolle spielte. Dann ging er zu Teilaufnahmen der Brücke über, da ihn das ausgedehnte Umfeld der ersten Aufnahmen störte. Er wollte sich mehr auf das Wesentliche konzentrieren und die Darstellung reduzieren.

Die Erweiterung der Suche

Da er mit seinen Ergebnissen immer noch nicht zufrieden war, begann er, sich YouTube Videos zum Thema Fotografie anzusehen. Nach ein paar Videos glaubte er, die Lösung für seine Bildumsetzung gefunden zu haben. Die Fotos, die er daraufhin von seiner Brücke erstellte, konnten ihn dennoch nicht überzeugen. So vertiefte er sich weiter in die verschiedensten Fotokanäle auf YouTube. Je mehr Videos er sich jedoch ansah, desto mehr Widersprüche entdeckte er. Und das traf nicht nur auf die Gestaltung sondern auch auf die technischen Belange zu. Eine neue Lösung musste her.

Old School Recherche

Gerald wollte es wissen und beschloss seine Kenntnisse durch das Lesen von Büchern zu erweitern. Er kaufte Technikbücher, Gestaltungsbücher und Bildbände von bekannten und unbekannten Fotografen. So richtig kam er im Hinblick auf seine Brücke auch hier nicht weiter, fand aber die Künstlernamen einiger Fotografen, die nur aus einem Vor-, Nach- oder Phantasienamen bestanden, ziemlich abgefahren und nannte sich jetzt selbst Fotofix. Der neue Name führte allerdings leider auch nicht dazu, dass er mit seinen Fotos von der Brücke zufrieden war.

Das Ziel wird erreicht

Nach all seinen Versuchen wusste er jetzt, dass nur die intensive Detailaufnahme seine Vorstellung erreichen konnte. Nach dem Kauf eines Makroobjektivs, diverser Lehrbücher und der Betrachtung unzähliger Videos zum Thema fühlte er sich bereit – seine Brücke werde schon sehen, das würde jetzt ganz großes Kino. Sein Display hatte er inzwischen abgeschaltet, da er in irgendeinem Buch gelesen hatte, dass das ewige Betrachten des Displays den Kontakt zum Motiv unterbrechen würde und der Stromverbrauch des Displays ohnehin nur nutzlose Energieverschwendung sei. Nachdem er fotografiert und die Dateien auf seinen Rechner überspielt hatte, stellte er fest, dass er wohl vergessen hatte, seinen sehr hohen ISO-Wert, den er wegen seiner Available Light Fotos vom Vorabend eingestellt hatte, zurückzustellen. Die Hammerfotos, die in absoluter Wiedergabe von ihm vorvisualisiert worden waren, erstrahlten wegen totaler Überbelichtung in reinem Weiß. Doch jetzt erkannte Fotofix, dass er das perfekte Foto geschaffen hatte, es gab nichts, was er noch weglassen konnte, es blieb die ästhetische Reinheit. Er war zufrieden.

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