Linda McCartney in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen

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Gleich zu Jahresbeginn gibt es eine Fotoausstellung, die mich in zweierlei Hinsicht begeistert. Bei Linda McCartney – The Sixties and More in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen geht es natürlich um die Fotografie und es geht um die Musik.

Großer Andrang

Die Vernissage am 18.01.2020 ließ den ehrwürdigen Ausstellungsort fast aus den Nähten platzen. Der große Ausstellungssaal im Erdgeschoss konnte nicht alle Besucher aufnehmen, so dass sich die Gäste auch in den angrenzenden Räumen und Etagen die einführenden Reden ohne visuellen Kontakt anhörten.

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Mitreißend wie immer und voller Herzblut führte die Direktorin, Frau Dr. Christine Vogt in die Ausstellung ein. Wie im Beitragsfoto ganz oben zu erkennen, hatte man hinter dem Rednerpult das Foto des Mannes aufgehängt, der die Verbindung der Fotografin zur Musik noch einmal intensivierte – Paul McCartney.

Wurzeln in der Szene

Entgegen den meisten Vermutungen wurde Linda McCartney nicht durch Ihren späteren Mann Paul ein Mitglied der englischen Rock- und Popszene, sie etablierte sich zunächst als „Fotografin unter Musikern“ und lernte dadurch Ihren späteren Ehemann kennen. Nach der Trennung der Beatles stieg sie dann als Keyboarderin bei den Wings ein. Dass sie jedoch schon zu Beginn ein Teil der Szene war, merkt man den Fotografien an. Sie fängt die kleinen Momente, die neben den großen Ereignissen geschehen, mit einem wahrhaften Gespür für die Situationen ein. Beispielhaft sei hier das Foto erwähnt, dass abseits der Aufnahmesession zum legendären Plattencover zu Abbey Road entstand. Da werden Klamotten gerichtet, Paul trägt noch Schuhe und man erkennt, dass die Fab Four Spaß hatten aber auch konzentriert waren. In den vielen Konzertfotos spiegeln sich die intensiven Ausdrucksformen der porträtierten Musiker und ich war überrascht, wie viele dieser Fotografien mir aus meiner Jugend bekannt waren – als prägender Bestandteil diverser Musikzeitschriften aus den frühen 70ern.

Vier Teile einer Ausstellung

Die Ausstellung, die mit Fotografien aus der Sammlung Ina Brockmann und Peter Reichelt erstellt wurde, beruht auf der Kollektion der beiden, die sie in Kooperation mit Linda McCartney Anfang der 90er Jahre zusammengestellt haben. Neben den Musikerfotos, die Bildnisse von Janis Joplin, Jimi Hendrix, The Who, The Doors, The Rolling Stones, Aretha Franklin, Nico und vielen anderen zeigen, werden Roadworks, Sunprints und Plattencover-Art der Ära gezeigt. Bei den Roadworks handelt es sich um Fotografien, die einfach unterwegs entstanden sind. Ein Großteil dieser Aufnahmen sind dem Genre Street-Photography zuzurechnen.

Bei den Sunprints handelt es sich um Cyanotypien. Das sind Fotoabzüge, die auf mit Ammoniumeisencitrat und Kaliumhexacyanidoferrat(III) beschichtetem Papier im Sonnenlicht belichtet werden. Dabei entstehen chemische Reaktionen, die die belichteten Teile des Bildes blau färben während sich die unbelichteten Teile des Drucks mit Wasser auswaschen lassen. Da hier auf die Verwendung von Entwicklern verzichtet wird, zeigt sich wohl auch ein Bezug zur damals schon sehr umweltbewussten Lebensweise der Fotografin, die auch in Bezug auf vegetarische Ernährung missionarisch tätig war.

Die Plattencover-Art, die auch Bestandteil der Ausstellung ist, wirkt auf mich mehr als ein Anhängsel als ein Bestandteil. Es sind großartige Arbeiten zu sehen, die Verbindung zu den Fotos von Linda McCartney empfand ich als etwas weit hergeholt. Diese eigenständige Kunstform, die hier unter anderem von Warhol über die Hipgnosis Agentur bis zu Klaus Voormann repräsentiert wird, hätte eine eigene Ausstellung verdient.

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Die gezeigten Arbeiten werden zusätzlich durch einen Soundwalk, der eigens für das audiophile Erlebnis zusammengestellt wurde und einen audiovisuellen Beitrag, der im obigen Foto zu sehen ist, ergänzt.

Interessantes Rahmenprogramm

Das Beiprogramm zur Ausstellung kann sich ebenfalls sehen lassen. Eine Lesung von Frank Goosen „Acht Tage die Woche – Die Beatles und ich“, ein Foto-Music-Family-Day, eine Theateraufführung des Theaters Oberhausen, ein Vortrag über Cover-Art oder der Fotoworkshop zur Cyanotypie sind gute Ergänzungen zu einer wirklich tollen Ausstellung. Für mich persönlich gab es noch ein besonderes Schmankerl. Wenn es um Persönlichkeiten aus der populären Musik geht, darf einer nicht fehlen. Das Foto von Linda McCartney wurde Ende der 60er Jahre aufgenommen, als Dylan mit seiner Frau und den Kindern in Woodstock lebte. Das Foto war für mich das I-Tüpfelchen.

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