Belichtungszeit, Spiegelvorauslösung und Bildstabilisator

Belichtungszeit, Spiegelvorauslösung und Bildstabilisator

Wenn die drei Begriffe genannt werden, die in der Überschrift auftauchen, geht es um die Schärfe in der fotografischen Abbildung. Um es vorwegzunehmen – die schärfsten Fotos machen Sie mit dem Stativ. Diese Tatsache wird in der Regel dadurch verdrängt, dass Fotografen sich mit Spontanität oder Bewegungsfreiheit herausreden. Eigentlich scheuen aber die meisten von uns die Schlepperei eines sperrigen und je nach Ausführung auch schweren Gegenstands.

Belichtungszeit

Bewegungsunschärfe zeigt sich immer dann, wenn sich das Motiv oder die Kamera schneller bewegt als die Belichtungszeit die Geschwindigkeit unter Berücksichtigung des Bildwinkels einfrieren kann. Der Bildwinkel wird durch die Brennweite des Objektivs bestimmt und daher rührt auch die Faustregel, dass der Kehrwert der Brennweite bei statischen Motiven eine verwackelungsfreie Aufnahme sicherstellt. Das bedeutet, dass bei einem 200er Tele die Belichtungszeit von 1/200 bzw. gerundet 1/250 ausreichend ist. Dies stimmt aber auch nur bedingt, da bei zunehmender Auflösungsleistung des Objektivs und des Sensors bis zur Hälfte dieser errechneten Zeit die Sichere sein kann (also 1/500). Hierdurch wird die Kamerabewegung in der Aufnahme nicht mehr wahrnehmbar. Die Bewegung des Motivs und deren Auswirkung auf die Abbildungsschärfe hingegen ist von der Geschwindigkeit der Bewegung und von der Bewegungsrichtung abhängig. Ein Fahrradfahrer z.B., der quer zur Kamerarichtung fährt, wird eher unscharf abgebildet als der gleiche Fahrradfahrer, der mit gleicher Geschwindigkeit auf die Kamera zufährt. Bleiben wir aber bei der Kamerabewegung.

Bildstabilisator

Diese Errungenschaft ist sicherlich eine der Feinsten moderner Gerätetechnik. Aus diesem Grund schalte ich in den meisten Fällen den Bildstabilisator ab. Diesen Kollegen müssen Sie sich als Workaholic vorstellen. Wenn Sie Ihre Kamera in Beton gießen und nur eine Öffnung für das Objektiv lassen, dann eine Auslösung per Funk durchführen, werden Sie kein einwandfrei scharfes Foto erhalten. Der Bildstabilisator sitzt da und wartet auf die Bewegung der Kamera. Bewegt sich diese jedoch nicht, wird er immer versuchen das zu korrigieren, was mit der Kamera gar nicht geschieht. Dadurch macht er aus einem scharfen Foto ein leicht Unscharfes. Das Gleiche gilt natürlich auch für Stativaufnahmen. Wenn aber die Länge der Belichtungszeit bei Aufnahmen aus der Hand kritisch wird (Kehrwertregel, Sicherheitszugabe, s.o.) dann ist der Bildstabilisator sicherlich mehr als hilfreich. Die Empfehlungen ab welcher Belichtungszeit die Abschaltung empfohlen wird, gehen sehr weit auseinander. Meiner Meinung nach können sie nicht pauschal getroffen werden. Sie sollten dies mit Ihrem Equipment (Body und unterschiedliche Objektive) ausprobieren.

Spiegelvorauslösung

Hier gilt Ähnliches wie bei der Thematik Bildstabilisator. Für die meisten Belichtungszeiten ist die Spiegelvorauslösung nicht relevant, da der Anteil der Zeit in der die Kamera in Bewegung gesetzt wird, keinen Einfluss auf die Gesamtbelichtung hat. Bei sehr kurzen Zeiten wird die Vibration von der Kamera nicht aufgezeichnet, da die Belichtung praktisch schon geschehen ist bevor die Kamera zu schwingen beginnt und bei sehr langen Zeiten ist der Belichtungsanteil, den die Vibration dauert, nicht lang genug, um einen Einfluss auf die Gesamtbelichtung auszuüben. Als grobe Richtwerte für die Nutzung der Spiegelvorauslösung können die Zeiten zwischen 1/60 und 10 Sekunden betrachtet werden. Auch hier kommen Sie um eigene Versuche mit Ihrem Equipment nicht herum. Die Dämpfung des Spiegels, die Konstruktion der Spiegelmechanik und nicht zuletzt die Übertragung auf die Schwingung des Stativs haben einen Einfluss. In der Regel werden Sie ja Aufnahmen mit Spiegelvorauslösung von einem Stativ machen.

Das Stativ kann helfen

Wenn es denn ein schwingungsarmes, stabiles Stativ ist, werden Sie damit die schärfsten Fotos machen, wenn Sie den Bildstabilisator abschalten und die Spiegelvorauslösung dann nutzen, wenn sie angezeigt ist. Viele Aufnahmen können oder wollen Sie aber sicher nicht mit einem Stativ machen. Vielleicht wollen Sie Bewegungsunschärfe auch als Gestaltungselement nutzen, wie z.B. bei manchen Sportaufnahmen oder in künstlerischen Bewegungsstudien. Klassische Genres hingegen, die häufig mit scharfen Abbildungen daherkommen sind Landschafts- und Architekturaufnahmen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie die richtige Schärfequalität für Ihre Fotos finden.

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