Weichzeichner analog

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In der Fotografie haben Weichzeichner stets eines immer geschafft – die Abbildungsleistung von Objektiven zu mindern. Das muss nicht immer schlecht sein. Ich erinnere mich an ein Objektiv, dass ein Freund von mir vor ca. 35 Jahren für seine Großformatkamera erworben hatte. Das Objektiv war damals schon ca. 50 Jahre alt. Es handelte sich um ein Voigtländer Heliar in einem Compound Verschluss, d.h. der Verschluss war pneumatisch und die kürzeste einstellbare Belichtungszeit betrug 1/100 Sek. Dieses alte Objektiv zeichnete nicht so richtig scharf und mein Freund verwendete es oft für seine Porträtarbeiten.

Neben diesem „Porträtobjektiv“ gab es im Laufe der analogen Ära auch noch spezielle Weichzeichnerobjektive wie das Fujinon Soft-Focus, das Cooke Portrait (wird noch gebaut) oder das legendäre Rodenstock Imagon. Mit einem speziellen Weichzeichnerobjektiv verhält es sich aber ähnlich wie mit einem Fish-Eye. Die wenigsten Fotografen schaffen sich eins an, da der Einsatz meist nur selten erfolgt. Deshalb wurden verschiedene Weichzeichnervorsätze in Form eines Kamerafilters entwickelt. Sie werden als Weichzeichner, Diffusions- oder Nebelfilter bezeichnet. Diese Einteilung sagt nichts über den Effekt aus den die Filter hervorbringen. Deshalb ist es besser eine Einteilung in vier Gruppen vorzunehmen, die alle etwas anderes bewirken.

Die vier Gruppen von Weichzeichnern

In der ersten Gruppe finden Sie Filter deren Oberfläche mit unregelmäßigen Erhöhungen, Wellen, Vertiefungen oder sogar kleinen Linsenelementen ausgestattet sind. Gruppe 2 hat regelmäßig angeordnete konzentrische Kreise oder Vertiefungen. Die dritte Gruppe hat eine flächige Struktur und die vierte Gruppe hat ein Netzmuster.

Die Filter der ersten Gruppe, z.B. Zeiss Softare, simulieren recht gut den Effekt der Weichzeichnerobjektive, indem sie deren stärker ausgeprägte spärische Abberation nachbilden, was durch in die Oberfläche des Filters integrierte kleine linsenähnlichen Elemente geschieht. Da diese Elemente nicht flächendeckend angeordnet sind, entstehen eigentlich zwei Bilder – ein Scharfes und ein Weichgezeichnetes, die sich überlagern.

Die zweite Gruppe der Filter, z.B. Weichzeichner-Duto, lassen einen Lichthof an den Spitzlichtern entstehen, der durch das Abblenden vermindert werden kann. Die Mitteltöne und die Schatten bleiben weitestgehend unberücksichtigt.

Die dritte Gruppe von Filtern wendet den Weichzeichnereffekt im Gegensatz zu den ersten beiden Gruppen nicht nur auf Teile sondern auf das gesamte Bild an. Diese Filter werden häufig als Fog-, Mist- oder Nebelfilter angeboten. Sie senken den Kontrast vor allem in Hochkontrastbereichen und lassen die Lichter in die Schatten laufen. Gegenlicht, der Verzicht auf eine Gegenlichtblende und offene Blenden steigern den Effekt. Abblenden vermindert den Effekt. Diese Filter sind auch als Verlauffilter oder als Spotfilter mit einem klaren Zentrum erhältlich.

Die vierte Gruppe,  z.B. Black Net oder White Net, mit dem Netzmuster simuliert den Effekt des vor die Optik gespannten Nylonstrumpfs. In der Tat sind diese Filter so konstruiert, dass ein Netzmaterial zwischen Glas- oder Kunststoffscheiben montiert wird. Ist das Netz schwarz, wird das Bild weichgezeichnet und der Kontrast gesteigert. Bei einem weißen Netz erfolgt eine Weichzeichnung und der Kontrast wird reduziert. Die Feinheit des Netzes hat auch einen Einfluss auf die Stärke des Effekts.

Während die Weichzeichnung bei jeder der vier Gruppen anders ausfällt, ist natürlich das Motiv und seine Beleuchtung ausschlaggebend für den Effekt. Je kontrastärmer sich die Szenerie darstellt, desto weicher sind ja schon die Übergänge von dunklen zu hellen Stellen. Das bedeutet, dass kontrastreichere Motive auch einen stärkere Weichzeichnung verlangen. Gegenlicht benötigt in der Regel weniger Weichzeichnung. Darüber hinaus hat das Verhältnis von Motivhaupteil zu Hintergrund einen Einfluss. Ist weniger Hintergrund sichtbar sollte die Weichzeichnung auch stärkter ausfallen.

Deshalb gibt es die verschiedenen Filter auch in unterschiedlichen Stärken, die alle ihre Berechtigung haben, da nicht jedes Motiv mit der gleichen Weichzeichnung versehen werden kann, um den gleichen Effekt zu erzielen.

Abschließend sei noch auf den Öl-, Vaseline- oder Objektiv-Anhauch-Effekt auf einem alten UV-Filter eigegangen. Für einige Experimente sind diese Möglichkeiten sicherlich interessant und liefern nach einigem Probieren auch teilweise ansprechende Ergebnisse. Der eindeutige Nachteil dieser Methoden ist die fehlende Reproduzierbarkeit und die damit verbundene ständig neue Eintestarbeit bei jeder Aufnahmesession.

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