ND-Filter – So bunt wie Ostereier? (Teil 1)

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Die regelmäßigen Leser meines Blogs wissen, dass ich mich sehr ärgere, wenn wir als Fotografen nicht die Produkte erhalten, die uns von Händlern und Herstellern versprochen werden. Damit ich hier praxisbezogene Tests unabhängig durchführen kann, gibt es in diesem Blog auch keine Werbung. Wenn ich Produkte positiv erwähne, spiegelt dies meine durch meine tägliche Praxis erworbene Meinung wieder.

Wie alles begann

ND-Filter gehören zu den oben genannten Produkten und ein Filterset von Rollei hat diesen Beitrag ausgelöst. Eigentlich wollte ich über die unterschiedliche Auswirkung von High Speed Sync und Neutraldichtefiltern schreiben. Die Ergebnisse mit dem Filterset von Rollei in diesem Zusammenhang forderten aber eine Auseinandersetzung mit diesen Lichtblockierern. Rollei bewirbt seine Filter mit „Mustergültige Farbtreue – Die Natur so einfangen, wie sie das Auge sieht“. Ich wünsche niemandem etwas Schlechtes, für einen Tag wünsche ich den Verantwortlichen bei Rollei (und vielleicht bei anderen Herstellern) jedoch, dass sie einen Tag so wie ihre Filter sehen. Bei ND-Filtern steht das ND ja für Neutraldichte, d.h. sie sollen das Licht in allen Spektralbereichen gleichmäßig filtern. Da das bei den Rollei Filtern nicht der Fall war, ging ich der Sache auf den Grund. Es fing also mit dem Premium ND-Filter Set von Rollei (F:X Pro Filter) an und in der nächsten Woche werde ich Ihnen die Ergebnisse mit dem Lee Big Stopper, dem Walimex ND-Fader und dem Haida NanoPro MC Serie Graufilter vorstellen. Doch zunächst zum Testaufbau.

So wurde getestet

Da bei Langzeitbelichtungen der Sensor der Kamera auch einen Einfluss auf die Farbverschiebung hat, habe ich die Filter mit einem ELB 500 von Elinchrom durchleuchtet. Dazu habe ich am Blitzkopf einen Tubus angebracht, dessen Lichtaustrittsöffnung kleiner als der Filter war. Den Tubus habe ich nach oben zeigen lassen und der Filter wurde darauf gelegt. Dann wurde mit einem Sekonic C-800 Spektralphotometer zunächst das reine Blitzlicht und anschließend das Licht, das durch den Filter geleitet wurde, gemessen. Das Licht der Blitzanlage ist natürlich auch leichten Schwankungen unterzogen. Diese lagen bei mehreren Messungen bei weniger als 100 Kelvin.

Die Ergebnisse

Licht ohne Filter: 6568 Kelvin
ND 8: 5950 Kelvin (= –618 Kelvin)
ND 64: 7659 Kelvin (= +1091 Kelvin)
ND 1000: 6048 Kelvin (= –520 Kelvin)

Jetzt sagen einige von Ihnen bestimmt, dass man ja einfach nur einen Weißabgleich durchführen muss und das Problem ist behoben. Weit gefehlt! Die CRI Werte des gefilterten Lichts haben sich auch deutlich verschoben und das bedeutet, wenn Sie das Problem wirklich beseitigen wollen, müssen Sie bei jeder Aufnahme unter jeder Lichtsituation ein Farbprofil für die Kamera mit einem ColorChecker erstellen, das Sie dann bei der Bearbeitung der Fotos den Dateien zuweisen, um diese Farbverschiebungen auszugleichen. Diesen zusätzlichen Aufwand zahlt Ihnen kein Kunde.

So prüfen Sie Ihre ND-Filter

Wenn Sie über kein Spektralphotometer verfügen, können Sie Ihre Filter zumindest tendenziell unter Berücksichtigung Ihres Sensors prüfen. Führen Sie vor der Aufnahme einen manuellen Weißabgleich im vorhandenen Aufnahmelicht durch. Fotografieren Sie dann einen ColorChecker oder eine andere metameriefreie Vorlage (Graukarte, etc.). Dann fotografieren Sie die Vorlage mit dem ND-Filter. Laden Sie die Fotos in Ihren Raw-Konverter und vergleichen Sie dort die unterschiedlichen Werte der mit der Pipette durchgeführten Weißabgleiche. Kochen Sie sich einen Tee oder einen Kaffee und beruhigen Sie sich wieder.

Was sagt Rollei dazu?

Natürlich habe ich mit Rollei Kontakt aufgenommen. Dort nahm man sich freundlich aber kurz und knapp der Problematik an. Zunächst wollten Sie die Raw-Dateien sehen, um mir dann mitzuteilen „…der ND1000 Filter hat eine leichte Farbverschiebung in den Braun/Rötlichen Farbbereich. Dieses ist bei den Filtern mit hoher Dichte leider nicht immer vermeidbar und lässt sich leider auch nicht ändern.“ Leicht ist relativ und der Verlust der Tageslichtqualität wird auch nicht berücksichtigt. Kein Wort zu den massiven Abweichungen des ND 64. Dafür das Angebot wenn ich unzufrieden wäre, solle ich die Filter bei meinem Händler zurückgeben. Die Kaufpreiserstattung ist das Eine, der Vertrieb unzulänglicher Produkte das Andere. Trotzdem möchte ich auch für Rollei eine Lanze brechen. Ich habe eine L-Schiene von Rollei, die ist wirklich gut und bietet ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis. Einige meiner Kollegen haben Rollei Stative, mit denen sie auch zufrieden sind. Aber die Filter…

Bevor es in der nächsten Woche um die anderen Neutraldichtefilter geht, möchte ich Ihnen abschließend noch die Aufnahmen, die ich zusätzlich mit dem ColorChecker erstellt habe, zeigen. Im obigen Beitragsbild sehen Sie die Graukeile im direkten Vergleich. Unten die neutrale Aufnahme und jeweils darüber die Graukeile mit ND 8, ND 64 und ND 1000. Hier nun die ColorChecker in Vollansicht:

Neutral

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ND 8

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ND 64

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ND 1000

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