ND-Filter – So bunt wie Ostereier? (Teil 2)

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Um es vorwegzunehmen – nicht alle getesteten Filter eigenen sich fürs Auferstehungsfest. Dafür ist aber ein Filterhersteller aus dem Sumpf der farbverseuchten…, ich möchte sie gar nicht Filter nennen, emporgestiegen. Doch zunächst zu den Vorgängen, die sich seit letzter Woche und Teil 1 dieses Beitrags ereignet haben.

Zweite Testrunde

Nach den niederschmetternden Erfahrungen aus der letzten Woche konnte ich vier weitere Filter testen. Ich selbst hatte noch einen Walimex ND-Fader in meinem Bestand, ein Lee Big Stopper wurde mir zum Testen zur Verfügung gestellt und da ich viel von den Haida Filtern gehört hatte, hatte ich mir für meinen Lee Filterhalter Anfang der letzten Woche einen Haida NanoPro MC Serie Graufilter ND 3,0 bestellt. Aufgrund des guten Testergebnisses dieses Filters habe ich dann sofort einen weiteren Haida Filter in der Stärke ND 1,8 nachbestellt. Den Testaufbau, den ich in der letzten Woche beschrieben habe, sehen Sie in folgendem Foto. So wurde einmal mit dem Sekonic C 800 Spektralphotometer das Licht ohne Filter und einmal nach der Transmission gemessen.

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Es ging mir bei meinem Test nur um die Farbwiedergabe, Flare, Vignettierung, etc. habe ich nicht berücksichtigt. Deshalb wurde der Test auch einzig unter Berücksichtigung der Farbveränderungen durch die Transmission gestaltet, denn jeder Sesor jeder Kamera verhält sich bei Langzeitbelichtungen anders. Weil alle mir bekannten Tests mit Kameras ausgeführt wurden, ist zwar meist eine Tendenz zu erkennen, eine reine Filterbetrachtung ist aber so nicht möglich. Durch die Verwendung unterschiedlicher Kameras bei den jeweiligen Tests finden Sie dadurch auch so viele abweichende Ergebnisse zu gleichen Filtern im Netz. Ein Farbmessgerät wie der Sekonic C 800 ist da schon ein Riesenvorteil.

Es kann (nicht?) nur einen geben.

Die in dieser Woche von mir getesteten Filter waren dann bis auf zwei auch nicht wirklich zu gebrauchen. Ohne Farbprofil für die Kamera ist bei fünf von sieben getesteten Filtern keine Farbtreue zu erreichen. Allein die Haida NanoPro MC Serie Graufilter konnten mich wirklich überzeugen. Mein Fazit bis hierher lautet: Bis auf die Haida Filter fielen alle Filter durch. Die Haida NanoPro MC Serie Graufilter liegen preislich im unteren Mittelfeld und sind von der farbneutralität wirklich spitze. Dazu gefällt mir die Verpackung in der stabilen Blechdose, die bei Mitnahme von mehreren Filtern zwar mehr Platz als eine Filtertasche beansprucht, dafür aber eine wirklich sichere Transportmöglichkeit darstellt. Wir tragen unsere Kameras ja auch nicht in Jutebeuteln durch die Gegend.

Diese hier beschriebene Auseinandersetzung mit den vorgestellten Filtern beansprucht natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Somit bedeutet dieser Beitrag nicht, dass es unter den unzähligen Filtern, die mittlerweile auf dem Markt sind, nicht vielleicht auch noch weitere brauchbare Exemplare zu finden sind. Von Lee gibt es eine neue Serie namens IRND, die auch mit absoluter Farbneutralität beworben wird. Die hier dargestellten Erfahrungen sollten jedoch Anlass zur kritischen Betrachtung von vollmundigen Werbeaussagen geben. Sollte ich Gelegenheit bekommen, diese neuen Lee Filter zu testen, werde ich die Ergebnisse in einem zukünftigen Beitrag nachreichen.

Die Ergebnisse

Der Lee Big Stopper war der erste Filter in der zweiten Testreihe. Für die Lichtgestaltung nutze ich Lee Folienfilter sowohl für die Farbkorrektur (CTO und CTB) als auch für farbiges Effektlicht. Durch die wirklich gute Qualität in diesem Bereich ging ich also voller Erwartung in den Test mit dem Big Stopper. Leider wurden meine Erwartungen überhaupt nicht erfüllt. Der Lee Big Stopper erreichte den höchsten Wert in der Farbtemperaturverschiebung. Für mich bedeutet das: Ablehnung auf der ganzen Linie.

Den Walimex ND-Fader habe ich nur in der dichtesten Stufe gestestet. Mal abgesehen davon, dass die markierten Stufen auf dem Filter nicht als Belichtungskorrekturhilfe funktionieren, da der Filter in der Abdunklung anders reagiert als die Stufen vorgeben, ist die Farbtemperaturabweichung auch derartig hoch, dass hier nur das Urteil „unbrauchbar“ fallen kann.

Wie bereits erwähnt, hatte ich mir aufgrund der vielen positiven Berichte über die Haida Filter einen solchen bestellt. Nach schneller Lieferung des NanoPro MC Serie Graufilter ND 3,0 war ich gespannt auf das Ergebnis. Schon der optische Eindruck beim Blick gegen das Licht ließ erkennen, dass ich erstmals eine grau wirkende Glasscheibe in der Hand hielt. Meine Erwartungen stiegen an und ich war wirklich neugierig auf das Ergebnis. Da ich die Messwerte nicht glauben konnte, habe ich bestimmt sechs- oder siebenmal gemessen, das Ergebnis war immer ähnlich. Dann habe ich nochmal einen anderen Filter als Gegencheck aufgelegt, vielleicht war das Messgerät ja nicht in Ordnung. Nein, das wunderbare Ergebnis von nur 37 Kelvin Farbtemperaturabweichung war stabil. Urteil: Spitzenklasse. Ein paar Tage später wurde dieses Ergebnis mit dem NanoPro MC Serie Graufilter ND 1,8 praktisch noch einmal bestätigt. Der Wert war mit 68 Kelvin immer noch im Bereich der absolut tolerierbaren Abweichung. Bei den Ergebnissen der anderen Filter wäre ich an diesem Punkt schon fast mit einer Abweichung von 150 – 200 Kelvin zufrieden gewesen. Der Haida hat es noch getoppt.

Die nachfolgende Tabelle fasst die Ergebnisse aus beiden Beiträgen noch einmal zusammen. Die Abweichungen in der Farbtemperatur der Lichtquelle kommen dadurch zustande, dass die Tests an unterschiedlichen Tagen mit abweichenden Leistungseinstellungen der Blitzanlage durchgeführt wurden. Die Abweichung wird dennoch richtig erfasst, da sie ja im direkten Vergleich mit der vorherrschenden Lichtfarbe vorgenommen wurde.

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Abschließend würde ich nach diesem Test folgendes empfehlen: Wenn Sie eine Schrottkamera besitzen, diese mit minderwertigen Objektiven nutzen und Ihnen die Farbwiedergabe an Ihrem Allerwertesten vorbeigeht, kaufen Sie sich den billigsten Graufilter, den Sie kriegen können. Sollte eine der vorgenannten Bedingungen für Sie nicht zutreffen, kann ich im Rahmen der hier gestesteten Filter nur zu einem Haida Filter raten.

Ach ja, die Aussagen von Rollei „Mustergültige Farbtreue – Die Natur so einfangen, wie sie das Auge sieht“ aus der Rollei Werbung und „Dieses [die Farbverschiebung] ist bei den Filtern mit hoher Dichte leider nicht immer vermeidbar und lässt sich leider auch nicht ändern.“ als Antwort auf meine eingesandten Testfotos sind in ihrer doppelten Dreistigkeit nicht zu überbieten, da sie ja hier eindeutig widerlegt wurden.

Im obigen Beitragsbild sehen Sie die Graukeile aus dem ColorChecker Passport in dieser Reihenfolge: unten: Lee Big Stopper, 2. von unten Walimex ND-Fader, 3. von unten Haida NanoPro MC Serie Graufilter ND 3,0 und oben: Haida NanoPro MC Serie Graufilter ND 1,8. Hier nun noch einmal die ColorChecker Passport-Aufnahmen der einzelnen Filter:

Haida NanoPro MC Serie Graufilter ND 1,8

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Haida NanoPro MC Serie Graufilter ND 3,0

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Walimex ND-Fader

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Lee Big Stopper ND 3,0

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