High Speed Sync und ND-Filter im Vergleich

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Wenn Sie bei weit geöffneter Blende in hellem Tageslicht mit Aufhellblitz arbeiten wollen, haben Sie zwei Möglichkeiten: High Speed Sync Modus oder die Verwendung eines Graufilters (ND-Filters). Ich habe für Sie die beiden Verfahren gegenübergestellt, wobei die fatale Qualität der Rollei Graufilter (nähere Erläuterungen dazu in den Beiträgen der beiden Vorwochen) in der Nachbearbeitung erheblichen Zeitaufwand gekostet hat.

Die Ausgangssituation

Marie spielt Ukulele und wir verabredeten eine Fotosession, um Fotos mit dem Instrument anzufertigen und um Vergleichsfotos für das heutge Thema zu erstellen. Als Location wählte ich eine Außenüberdachung, die Sie sich ähnlich wie einen Carport vorstellen können. Marie befand sich unter der Überdachung und im Hintergrund wurde die Location von der Sonne beschienen. Für den sonnenbeschienenen Hintergrund ermittelte ich mit meinem Sekonic L-858 eine Belichtung von 1/2000 Sekunde bei Blende f 2,8. Das Ergebnis dieser Belichtung sehen Sie in folgender Aufnahme:

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Erwartungsgemäß wurde Marie viel zu dunkel abgebildet. In dieser Situation haben Sie grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder heben Sie die Belichtung an, um Ihr Modell korrekt zu belichten, dann wird Ihr Hintergrund überbelichtet oder Sie hellen Ihr Modell per Blitz auf.

Die beiden Lösungen

Da eine ausgewogene Belichtung angestrebt wurde, blieb hier nur die Blitzaufhellung, die bei einer Belichtungszeit von 1/2000 Sek. bei Blende f 2,8 das nächste Problem aufwirft. Die Blitzsynchronzeit beträgt je nach verwendeter Kamera minimal 1/250 Sek., wenn Sie nicht mit einem Zentralverschluss arbeiten. Bei meiner Kamera liegt die Synchronzeit sogar nur bei 1/160 Sek. Mit dieser langen Zeit würde die Aufnahme im Hintergrund bei Blende f 2,8 völlig überbelichtet. Außer, Sie nutzen eine der beiden folgenden Möglichkeiten.

High Speed Sync

Die sogenannte Blitzsynchronzeit bei einer Kamera gibt die kürszeste Zeit an, bei der der Verschluss vollständig von beiden Verschlussvorhängen freigeggeben ist. D.h., dass der erste Verschlussvorhang den Sensor oder den Film vollständig freigegeben hat, bevor der zweite Verschlussvorhang seine Reise zur Schließung des Verschlusses angetreten hat. Wenn Sensor oder Film somit völlig frei liegen, wird der Blitz ausgelöst und und das gesamte Bildfeld belichtet. Bei kürzeren Zeiten als der angegebenen Synchronzeit setzt sich der zweite Verschlussvorhang schon in Bewegung, bevor das Bildfeld vollständig durch den ersten Vorhang geöffnet ist. Dadurch wandert praktisch ein Schlitz, der durch die beiden Vorhänge entsteht, über das Bildfeld.

Um während dieses Vorgangs das gesamte Bildfeld mit einem Blitz belichten zu können, muss der Blitz stroboskopartig leuchten und dadurch eine Art Dauerlicht über den Schlitzbewegungszeitraum abgeben. Der Blitz muss hierbei einen enormen Kraftaufwand leisten und das Verfahren lässt sich nur realisieren, wenn der Blitz nicht mit voller Leistung blitzt, da sonst kein Stroboskopeffekt möglich wäre. Sie wissen, dass ein bei Vollleistung gezündeter Blitz bei guter Stromversorgung ca. 2 Sekunden braucht, um wieder bereit für eine erneute Zündung zu sein. Durch die herabgesetzte Leistung ist es damit erst recht nicht möglich auch noch Lichtformer zu verwenden, die die vorhandene Lichtausbeute nochmals schmälern würden. Hier würde nur eine Anhebung des ISO-Wertes helfen, was bei hohen Qualitätsansprüchen auch keine überzeugende Lösung wäre.

Das Verfahren hat noch einen weiteren Nachteil, denn die Stromversorgung (Akkus, Batterien) Ihres Blitzes werden auch überdurchschnittlich beansprucht. Obwohl die Leistung des Blitzes herabgesetzt ist, wird der Akku beim Stroboskopblitzen mehr belastet als bei Auslösung eines Blitzes mit voller Leistung.

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Einsatz eines Graufilters

Die zweite Möglichkeit das Problem des hohen Kontrasts in der Aufnahmesituation in den Griff zu bekommen, ist der Einsatz eines Graufilters. Er dient dazu, den Hintergrund soweit abzudunkeln, dass bei offener Blende eine Belichtungszeit erreicht wird, die der Blitzsynchronzeit oder einer längeren Belichtungszeit entspricht. Für die vorherrschende Lichtsituation hätte das bedeutet, einen Graufilter zu verwenden, der die Gesamtbelichtung um 4 Blendenstufen verlängert. Aus einer 1/2000 Sek. wäre dann über 1/1000 Sek., 1/500 Sek. und 1/250 Sek. eine 1/125 Sek. geworden, was einer Verlängerung von 4 Blendenstufen entsprochen hätte. Leider stand mir bei den Aufnahmen nur ein Filter zur Verfügung, der 6 Blenden abdunkelte. Da es hier nicht um die besagte Qualität ging, sondern die Aufnahmen nur zu Demostrationszwecken hier im Blog dienen sollten, hob ich den ISO-Wert um zwei Stufen auf 400 an und korrigierte damit die zu starke Abdunkelung von 6 Blenden.

Da ich keinen Unterschied in der Helligkeit von Vorder- und Hintergrund wollte, stellte ich den Blitz so ein, dass eine korrekte Belichtung von f 2,8 auch bei Marie mit ihrer Ukulele erreicht wurden. Die Leistung des ELB 500 war auf einem Wert eingestellt, der ein vergleichbares Ergebnis mit einem Systemblitz mit entsprechendem Lichtformer möglich gemacht hätte.

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Empfehlung

Im obigen Beitragsbild sehen Sie beide durchgeführten Methoden im direkten Vergleich. Links das High Speed Sync Ergebnis und rechts das Graufilter-Ergebnis. Um die beiden Fotos einigermaßen farbähnlich hinzubekommen (das Problem mit dem farbstichigen Rollei-Graufilter), musste ich wirklich unter erheblichem Zeitaufwand in Photoshop herumschrauben, da ich keinen ColorChecker fotografiert hatte, weil ich die Lichtfarbe mit dem Sekonic C-800 ausgemessen hatte und somit keine Grundlage für die Erstellung eines Farbprofils hatte. Das Ergebnis ist immer noch nicht optimal, für den Vergleich sollte es aber reichen. Sie sehen, dass das Endergebnis bei beiden Methoden identisch ist. High Speed Sync funktioniert sicherlich schneller als das Verfahren mit dem Graufilter, ansonsten sehe ich dort allerdings mehr Nachteile. Akkukapazität und weniger Möglichkeiten durch weniger Licht, dass Ihnen zur Verfügung steht, sind die Argumente, die auf jeden Fall für die Nutzung des Graufilters sprechen. Einzig die Verwendung in der Event-Fotografie (Hochzeit, Sport, etc.) sprechen für das High Speed Sync Verfahren. Wenm Sie Zeit haben, nehmen Sie den Graufilter, den können Sie auch noch für viele andere fotografische Problemstellungen, die letzlich alle auf gewollte Langzeitbelichtungen hinauslaufen, verwenden.

Als Ergänzung gibt’s hier noch zwei Fotos aus dem zweiten Teil der Session.

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